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Der Bufdi – ein Erfolgsmodell?

Stellen im Vergleich zum Zivildienst deutlich reduziert

19.10.2012

Der Bufdi – ein Erfolgsmodell?

Der Bufdi – ein Erfolgsmodell?

Durch sämtliche Medien gingen die positiven Meldungen vom Erfolg des Bundesfreiwilligendienstes. Das Fiasko für die sozialen Einrichtungen sei ausgeblieben: Der BFD habe im ersten Jahr seines Bestehens mehr Menschen für den Dienst gewinnen können, als erwartet – ja es gebe sogar mehr Interessenten als freie Plätze. Das ist zunächst sicher eine gute Nachricht. Dass sich Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen hierzulande aktiv sozial engagieren wollen, spricht für unsere Gesellschaft, der häufig genug Ellbogenmentalität und Egoismus nachgesagt wird. Doch, wer nur die Schlagzeilen liest oder hört, könnte meinen, die Leute würden geradezu Schlange stehen, um Hilfe zu leisten. Die Befürchtungen sozialer Einrichtungen vor dem Aus für den Zivildienst seien allesamt übereilt und unbegründet gewesen. Ganz so ist es leider nicht.

„Tatsächlich sehen wir den Bundesfreiwilligendienst nach einem Jahr nicht ganz so positiv, wie es in den Medien überwiegend dargestellt wird“, gibt Stefanie Bethge, DMSG Hamburg zu bedenken. „Dort ist der Tenor ja oft, dass es mehr Bewerber als Stellen gibt. Allerdings ist es so, dass die Stellen durch eine verringerte Bezuschussung reduziert wurden, das heißt, es gibt nicht mehr so viele Stellen wie zu Zeiten des Zivildienstes“. Tatsächlich sind etwa zwei Drittel aller Plätze wegen fehlender Finanzierung weggefallen sind.“

Für den Hamburger Landesverband der DMSG liegt eines der größten Probleme darin, dass man nicht mehr so einfach an BFDler kommt wie an Zivis. Oft wüsste man bis zuletzt nicht, ob noch jemand für den Einsatz als Fahrdienst gefunden wird. Auch die Einsatzzeiten seien viel flexibler als zuvor bei den Zivis. „So hat sich letztes Jahr jemand für ein Jahr beworben, ist nach einem halben Jahr aber wieder abgesprungen, da er einen Studienplatz gefunden hat. Das sind Dinge, die unsere Arbeit nicht gerade erleichtern“ so die Pressesprecherin des Hamburger Landesverbandes weiter. Der kurzfristige Abbruch hat auch finanzielle Nachteile: „Wir nehmen einige Tausend Euro für die Fachausbildung in die Hand und wenn mal eben abgebrochen wird, sind die Kosten nicht kalkulierbar“, klagt Joachim Liersch vom DRK. Darüber hinaus sind nicht alle Bewerber für alle Stellen geeignet. Dass neben jungen Männern eben auch Frauen und ältere Leute mithelfen, ist richtig und gut, aber es gibt eben Jobs, für die gewisse körperliche Voraussetzungen mitgebracht werden sollten. Zu Zeiten des Zivildienstes ein geringeres Problem.

Kompensieren die Freiwilligen die Pflegefachkräfte?
Kritik kommt auch von Harald Koch, Experte für bürgerschaftliches Engagement in der Bundestagsfraktion der Linken. Er habe erhebliche Zweifel, ob der Bundesfreiwilligendienst nicht doch an immer mehr Stellen sozialversicherungspflichtige, qualifizierte Arbeitsplätze ersetzt. Seiner Erfahrung aus seinem Wahlkreis Mansfeld-Südharz (Sachsen-Anhalt) nach werden langsam aber sicher immer mehr Freiwillige als Kompensation von Pflegefachkräften eingesetzt. „Die arbeiten als vollwertige Pflegekräfte, sind dafür aber fachlich überhaupt nicht ausgebildet“, erklärte Koch im Gespräch mit der „Ärzte Zeitung“. Als Grund sieht er den wirtschaftlichen Druck, der auf immer mehr Pflegeeinrichtungen liege.

Unmut gibt es bei den Trägern über die Bildungsseminare, die jedem Freiwilligen im BFD zustehen: Wie im früheren Zivildienst und im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) hat jeder Anspruch auf eine Fortbildung von 20 Tagen. Die Fortbildungseinrichtungen sind inzwischen zu Stoßzeiten überfüllt - politische Bildung bleibe für die Freiwilligen im BFD nach Meinung der Verbände auf der Strecke.